...
Der Weltenstürmer
Tarikat, Silsiletü’z Zeheb

Mevlânâ Ali Haydar el-Ahıshavî

26. Dezember, 2024
Tarikat Silsiletü’z Zeheb
...

Frühe Kindheit und Herkunft

Ali Haydar Efendi, bekannt als Ahıskalı Ali Haydar Efendi, wurde 1870 in Ahıska (heute Georgien) geboren. Er verlor bereits als Kind seine Eltern – die Mutter mit zwei, den Vater mit vier Jahren – und begann seine erste Ausbildung in der Heimatregion.

Ausbildung und wissenschaftlicher Aufstieg

Wegen der politischen Instabilität im Kaukasus musste er seine Studien unterbrechen und setzte sie in Erzurum fort. Später zog er nach Istanbul, wo er an der Fâtih-Moschee und der Medresetü’l-Kudât studierte. 1901 erhielt er die allgemeine Lehrbefugnis und wurde 1906 offiziell als Lehrer anerkannt. Er unterrichtete an renommierten Institutionen und war in der osmanischen Gelehrtenhierarchie hoch angesehen.

Anfängliche Skepsis gegenüber dem Sufismus

Anfangs stand Ali Haydar Efendi dem Sufismus und den Derwischorden sehr kritisch gegenüber. In Predigten warnte er vor abergläubischen Praktiken und übte scharfe Kritik an Sufi-Gemeinschaften. Diese Haltung änderte sich jedoch durch eine persönliche und spirituelle Begegnung mit Bezzâz Ali Rıza Efendi, einem bekannten Sufi-Meister.

Wende zum spirituellen Weg

Nach dieser Begegnung begann Ali Haydar Efendi, sich intensiver mit dem spirituellen Weg des Tasawwuf zu beschäftigen. Er wurde Schüler von Bezzâz Ali Rıza Efendi und erlebte tiefgreifende innere Wandlungen. Nach dem Tod seines Meisters wurde er 1914 von dessen Schülern zum Nachfolger bestimmt, doch die politische Führung blockierte seine Ernennung zunächst.

Offizielle Anerkennung als Derwischvorsteher

1919 wurde er schließlich offiziell als Postnişin (Leiter) des Şeyh İsmet Efendi-Derwischklosters anerkannt. Diese Position behielt er bis zur Schließung aller Tekken und Derwischorden im Zuge der Reformen der Republik.

Wissenschaftliche und religiöse Aktivitäten

Ali Haydar Efendi war nicht nur spiritueller Führer, sondern auch bedeutender Rechtsgelehrter. Er leitete die Kommission für religiöse Rechtsfragen („Te’lif-i Mesâil Heyeti“) und arbeitete an der Vervollständigung islamischer Rechtstexte (z. B. Kitâbü’l-Buyû’). Zwischen 1916 und 1923 war er regelmäßiger Hauptredner bei den Huzur-Dersleri vor dem Sultan.

Rückzug im republikanischen Zeitalter

Mit der Gründung der Republik Türkei und der Abschaffung religiöser Institutionen wurde auch Ali Haydar Efendi aus dem öffentlichen Leben verdrängt. Er wurde unter Beobachtung gestellt, zeitweise inhaftiert, aber letztlich freigesprochen. Danach lebte er zurückgezogen und widmete sich ganz der religiösen Unterweisung.

Verfolgung und Prozess

1926 wurde ihm aufgrund der Versendung eines religiösen Werkes („Frenk Mukallitliği ve Şapka“) ein Prozess vor dem Unabhängigkeitsgericht in Ankara gemacht. Er teilte die Zelle mit anderen bekannten Gelehrten wie Tahir Mevlevî. Nach einem Prozess wurde er am 3. Februar 1926 freigesprochen.

Vermächtnis und Lehre

Ali Haydar Efendi setzte sich sein ganzes Leben lang für die Weitergabe islamischer Lehre ein. Besonders betonte er die Pflicht zur Ermahnung zum Guten und zur Abwehr des Schlechten („Emr-i bil maruf ve nehy-i anil münker“). Für ihn war das Überleben des Islams untrennbar damit verbunden.

Letzte Lebensjahre und Tod

Die letzten zehn Jahre seines Lebens widmete er der Schulung von Mahmud Efendi, den er als spirituellen Erben betrachtete. Ali Haydar Efendi verstarb am 1. August 1960 nach zehn Tagen im Koma. Seine Beisetzung in der Fâtih-Moschee wurde verweigert. Stattdessen wurde er auf dem Sakızağacı-Friedhof in Istanbul beerdigt.